Vince Ebert: Denken Sie selbst
 
Vorsicht! Kann süchtig machen.
Das Buch war für mich eine Zeit lang ein angenehmer Begleiter im Zug, auf dem täglichen Weg zur Arbeit oder nachhause. Es motivierte mich morgens und gab mir abends die gute Laune zurück, wenn diese tagsüber verloren gegangen war. Ich fühlte beim Lesen die Leichtigkeit des Seins, aber das ist Teil eines Titels eines ganz anderen Buches. Jedenfalls finde ich „Denken Sie selbst“ ist Humor in Reinkultur: nicht böse, nicht albern, einfach gut. Vom Feinsten. Am liebsten hätte ich mir jeden Satz gemerkt. Allein das Buch bestätigt, dass dieses unserem Gehirn – und meinem gleich gar nicht, weil es 57 Jahre alt ist – nicht möglich ist. Ganz gewiss werden wir Bücherwürmer in einer der nächsten Darbietungen mit der Gesangsgruppe vor unseren Einwohnern daraus zu verschiedenen Themen vorlesen und an den eigenen Anteil erinnern.
 
von Silvia Scheller
 
 


 

Marlen Haushofer: Die Wand
 
Heute ist Robinson eine Frau. Als die Wand da ist, ist sie sich sicher, dass eine Katastrophe von riesigem Ausmaß über sie hereingebrochen ist. Dieser Gedanke ist umweltpolitisch und ökologisch für uns heute noch klarer und nachvollziehbarer. Wäre die Katastrophe über Asien hereingebrochen, die ganze Medienwelt hätte Kenntnis davon genommen. Hier geht es lautlos vor sich. Eine Endzeitvision, die uns sehr beschäftigt. Es kann aber auch sein, dass sich die Frau ohne Namen in einer allgemeinen Sinnkrise befindet. Zumal in der Zeit, in der die Autorin gelebt hat. Die sechziger Jahre mit ihrem gesellschaftlichen Umbruch nach dem 2. Weltkrieg lagen schon in der Luft. Es wird von einer Welt berichtet, die eine Begegnung mit dem eigenen Ich ist und die die Gleichheit und Brüderlichkeit mit Bäumen und Tieren beschreibt. Unsere Lesegruppe hat das Buch lange beschäftigt und in der Rangliste steht es weit oben.
 
von Erika Agethen
 
 


 

Ljudmila Ulitzkaja: Medea und ihre Kinder
 
Der Roman ist ein Reigen unglaublicher Schicksale, verwebt mit den großen Ereignissen unseres Jahrhunderts. Schauplatz ist das Haus von Medea, kinderloser Witwe eines Griechen auf der Krim, Kreuzung für Familienangehörige aus Moskau, Taschkent, Litauen und Georgien.
Das Buch entfaltet seinen eigenen Charme, wenn es mehr mit dem Gefühl als mit dem Verstand gelesen wird und wenn der Leser die Geduld aufbringt, über das erste Viertel - das Kennenlernen des weitverzweigten Clans und der russischen Verhältnisse in der gebildeten Schicht des Volkes - hinaus zu gelangen.
Der Blick der Autorin ist von solcher Heiterkeit und inneren Zuversicht, dass selbst tragische Ereignisse ihrer Düsternis entrissen, einfach hinreißend gut erzählt werden.
Dieses Buch gab mir Kraft in einer Zeit, in der es mir nicht gut ging.
 
von Silvia Scheller
 
 


 

Tracy Chevalier: Das Mädchen mit dem Perlenohrring
 
Das Buch zog mich durch die detailgetreue Beschreibung der Lebensweise im holländischen Delft des 17. Jahrhunderts in seinen Bann.
Aus innerem Drang getrieben malt Vermeer eine Magd seines Haushalts. Der Sogwirkung seines Bildes kann er sich kaum noch entziehen. Obwohl sie ein Kind der Realität ist, erweckt er in ihr eine zaghafte unterschwellige Leidenschaft. In Augenblicken flüchtiger Intimität durchbrechen beide mit einer Mischung aus Unschuld und Verführung die Moralvorschriften ihrer so verschiedenen Gesellschaftsschichten.
 
von Silvia Scheller
 
 


 

Velma: Wallis: Zwei alte Frauen
 
Auf wenigen Seiten erfährt der Leser eine Menge über indianische Bräuche, über das Leben und Überleben in und mit der Natur. In lebendigen Worten wird klar, wie Geben und Nehmen in Einklang gebracht werden können und was zwei zum Sterben ausgesetzte Frauen noch vollbringen, wenn sie ihre Kraftreserven und Lebenserfahrungen nutzen.
 
von Silvia Scheller
 
 


 

Michael Moore: Stupid White Men
 
Diese beißende Satire ist eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush, die nicht gleichgültig lässt. Aus ganz persönlicher Sicht werden totgeschwiegene Fakten über die hässliche Seite der Politik und der Politik machenden Menschen aufgezeigt und ihre Auswirkung auf Betroffene oder Betrogene beleuchtet.
Was ist aus den Wahlversprechen geworden? Wie konnte es passieren, dass man von harter, ehrlicher Arbeit nicht gut leben kann, aber Gaunereien Reichtum anhäufen?
Für politisch engagierte Leser, die mit schonungsloser Kritik und boshaftem Witz umgehen können.
Aktuell, und in Grundaussagen nicht nur spezifisch zutreffend.
 
von Silvia Scheller
 
 


 

Tanja Kinkel: Die Puppenspieler
 
Der historische Roman von der jungen Tanja Kinkel ist mit über 660 Seiten gute Kost für hungrige Bücherwürmer.
Im Europa des 15. Jahrhunderts geht es um die Inquisition, Ketzerei, den Bußprediger Savonaroda, Künstler um Michelangelo, Kaufleute wie die Fugger aus Deutschland, Familien des öffentlichen Lebens wie die Medici und Borgia in Italien. Eingebettet in diese Welt erlebt ein 12-jähriger Junge das Ende seiner Mutter auf dem Scheiterhaufen mit eigenen Augen und wählt seinen Lebensinhalt zwischen dem Wunsch nach Rache und einem ungebundenen vorurteilsfreiem Leben.
 
von Silvia Scheller
 
 


 

Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt
 
In diesem Abenteuerroman wird auf amüsante Weise der Lebensweg der zwei deutschen Genies Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß während der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert lebendig. Zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, mit ihren Stärken und menschlichen Schwächen sind Hauptinhalt eines raffinierten Spiels mit Fakten und Fiktion.
Das Buch ist einer der größten Erfolge der deutschen Nachkriegsliteratur. Es wurde in über 30 Sprachen übersetzt.
 
von Silvia Scheller
 
 


 

John Boyne: Der Junge im gestreiften Pyjama
 
Das Buch hat mich tief berührt. Ich dachte skeptisch: eine Fabel - na ja?! Aber dann fand ich es fabelhaft, leicht und locker geschrieben. Der Blick durch die Augen und mit dem Herzen eines neunjährigen Jungen auf seine Eltern, seine Schwester, die Bediensteten des Hauses, die Menschen hinter dem Stacheldraht und nicht zuletzt auf sich selbst, ist sehr gut gelungen. Wenn auch manches märchenhaft erscheint, ist es doch kein Kinderbuch. Ich habe mich einmal mehr ernsthaft damit auseinandergesetzt, was für ein Kind besonders wichtig ist und erkannte, dass ein Kind in jedem Alter und auch in wirklich schlimmen Zeiten, sich eine Meinung bildet, Stellung bezieht, ernst genommen werden möchte und muss. Eltern und die Umstände des Lebens wirken immer auf ein Kind, ob sie es gerade bewusst tun oder gar nicht wollen.
 
von Silvia Scheller

 
Dr. Eckart von Hirschhausen: Die Leber wächst mit ihren Aufgaben
 
Ich mag Bücher. Besonders mag ich Bücher, die mir aus dem Herzen sprechen. Dieses ist so ein Buch. Damit konnte ich die Auto-Therapie gegen den Weltschmerz und meine Depressionen erfolgreich fortsetzen. Herr Hirschhausen versteht es meisterhaft, ein Stück von seinem Glück auf den Leser überschwappen zu lassen. Er durchleuchtet die Problem-Zonen des Lebens mit den Lichtstrahlen des Humors, seines Humors, der natürlich und authentisch rüber kommt. Ich habe immer wieder gedacht: Ja, so ist es. Im Grunde trägt jeder selbst dazu bei, dass ein Problem entsteht, sich zuspitzt oder wirksam vernichtet wird. Und auch wie schnell oder langsam dieses geschieht. Man kann auch mit Humor die Dinge ernst nehmen.
Bemerkenswert und empfehlenswert.
 
von Silvia Scheller
 
 
José Saramago: Die Stadt der Blinden
 
„Aus diesem Material sind wir gemacht, murmelte der Arzt traurig, zur Hälfte aus Gleichgültigkeit und zur Hälfte aus Schlechtigkeit.“ Dies ist der Beginn einer Katastrophe. Die Menschen einer Stadt werden einer nach dem anderen blind. Der Staat reagiert rigoros und brutal. Alle werden interniert. Die offizielle Maschinerie beginnt zu laufen. Da fallen mir alle Beispiele faschistischer Staaten der Vergangenheit ein.
Die Blindheit steht für das Anderssein und wie Menschen mit dem Anderssein umgehen. Sie kulminiert in einer Szene im Internierungslager, als die Verknappung der Lebensmittel von einer Gruppe ausgenutzt wird.
Das Geschehen endet aber versöhnlich.
Innerhalb unserer Lesegruppe löste das Buch nicht nur Begeisterung aus. Nach einigen polemischen Diskussionen erschloss sich uns aber die ganze philosophische Brisanz, die in den Buch steckt. Wir setzten das Buch auf unserer Bestseller-Liste weit nach oben.
 
von Erika Agethen
Julie Kibler: Zu Zweit tut das Herz nur halb so weh

Erstlingswerke wecken oft mein Interesse. Dieses hier erregte noch vor Erscheinen auch großes internationales Aufsehen. Es wurde in 12 Länder verkauft. Vor dem Hintergrund der Rassendiskriminierung in Kentucky steht die sehr junge weiße Isabelle gegen ihre Eltern und alle Konventionen zu ihrer Liebe. Robert ist der schwarze Sohn der Hausangestellten. Sie heiraten und können doch kein gemeinsames Leben leben. Beide zahlen einen hohen Preis und finden erst im Tod wirklich zu einander.

von Silvia Scheller

 

Mark Seal: Ich gab mein Herz für Afrika

Wenn ich auch bei Männern die Beständigkeit liebe, bei Büchern suche ich die totale Abwechslung. Erstmals habe ich mich mit diesem Buch in das Thema Natur- und Tierschutz intensiv eingelebt. Die Figur der äußerst bescheidenen, schüchternen Joan entwickelt so viel Kraft und Lebensmut. Sie hat sich sofort in mein Herz geschlichen. Ebenso fasziniert bin ich von ihrem Mann Alan, das ganze Gegenstück von ihr. Sie lebten ihre außergewöhnliche Liebe viele Jahre und ihre Überzeugungen ein Leben lang. Das Buch hat ein Journalist auf Grund von Tatsachen recherchiert nach dem Joan Root 2006 mit 69 Jahren in Kenia unter mysteriösen Umständen ermordet wurde.

wärmstens empfohlen von Silvia Scheller